7.Tag St.-Jean-de-Buèges

Freitag 06.07.2007 08.30 Uhr


Sind gestern Abend wieder am Ausgangspunkt unserer Rundfahrt angekommen. Angesichts des bevorstehenden Endes unserer Reise sprechen wir schon viel über die Gesamterfahrungen und versuchen das Bild der Katharer für uns begreiflicher zu machen. Oft frage ich mich und die Frage schwingt nur mit, kann ich nicht richtig greifen und habe das Gefühl es geht den anderen in der Gruppe auch so, warum es den Katharern nicht gelang sich zu behaupten, sich gegen die Kreuzzüge und die Inquisition durchzusetzen. Ich sehe sie zwar als Opfer, frage mich aber, warum sie ihren Widerstand und ihr Überleben, zumindest das ihrer Idee nicht besser organisieren konnten. Die Vorgehensweise der Inquisition erscheint mir und ich bin irritiert wie vertraut ich mit der Sichtweise der Kath. Kirche bin, dagegen konsequent und nachvollziehbar. In unserer Gruppe ist eine interessante Polarisierung aufgetreten. Auch dabei geht es um die eigenen Erfahrungen des Widerstands und der Verfolgung in der Kriegs- und Nachkriegszeit, in dem geteilten Deutschland und der geteilten Welt. Auch hier fällt es schwer die unterschiedlichen Erfahrungen nicht als Gegensatz zu verstehen und gelten zu lassen.

11.15 Uhr in Ganges,


hier ist Markttag. Die Franzosen lieben offenbar diese Märkte, die vom lebenden Huhn über Lebensmittel bis zu Nippes Alles bieten, was das Herz begehrt. Die Marktstände ziehen sich durch mehrere Straßen es ist dicht gedrängt und der Rest des Ortes ist mit Autos zugeparkt. Wirklich groß eingekauft wird nicht so sehr, es ist wohl mehr die Freude an dem Rummel, der Rausch der Farben, Formen und Düfte, dem die Menschen erliegen. Zumindest geht es mir so. Wir haben an unserem letzten Tag die Gelegenheit, die Stadt bzw. Situation auf eigene Faust zu erkunden, erst später wird Conny uns dann noch von der Geschichte des Ortes und der Tradition als Markt erzählen:

einige Stichworte möchte ich festhalten, Drei Täler, Seidenzucht und Seidenspinnerei, Kathedrale und Tempel, runde, abgerundete, organische und eckige Plätze, Türklopfer, Durchgänge und modernes, erschwingliches Wohnen im Alten. Bente und Vibeke sind schon abgereist, leider gab es keine Gelegenheit zum Abschied nehmen. Es ist aber schon ok. Und ich meine wahrgenommen zu haben, dass die Franzosen hier im Süden im Umgang miteinander nicht so extrovertiert herzlich sind, wie ich es zumindest bei der Gruppe der „AustauschschülerInnen“ aus Dol-de-Bretagne beobachtet hatte. Küsschen werden hier z.B. nicht so überschwänglich zur Begrüßung und zum Abschied verteilt.


Und während ich dies schreibe und mich umschaue, genauer hinsehe, ringsum sich herzlich zur Begrüßung und Verabschiedung küssende Menschen sehe, kommen mir Zweifel an meiner bisherigen Wahrnehmung...