4.Tag Mirepoix

Dienstag 03.07.2007


Heute waren wir auf der Burg Montségur. Hier hatten viele Katharer Zuflucht gefunden. Am Ende wurde die als uneinnehmbar geltende Burg bezwungen. Eine Hand voll Männer sind in der Nacht des "Heiligen Abends" durch die senkrechte Felswand gestiegen und haben einen kleinen Vorposten eingenommen und sich festgesetzt... Mehr als 200 Katharer wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Fabien begleitet uns auch heute noch und erzählt über den Katharismus. Wir sind den ganzen Tag unterwegs gönnen uns aber auch eine angenehme Kaffeepause. Und kaum schaffe ich es noch ein paar Zeilen aufzuschreiben. Ich bin einfach sehr müde.

Zeittabelle Katharer

aus Helene Luise Köppel:

http://www.mittelalter-roman.de/index.php?option=com_content&task=view&id=41&Itemid=43 1212

Simon de Montfort erobert das Quercy, das Agenais, das Comminges.

Belagerung von Moissac. Castelsarrasin ergibt sich und Rhedae (heute Rennes-le-Chateau!) wird eingenommen. Toulouse soll isoliert werden.

Penne-d-Albigeois widersteht den Angriffen.

1213

Peter II. von Aragon greift ein, nachdem ihn sein Schwager, Raymond VI. von Toulouse um Beistand gebeten hat. September: Schlacht von Muret. Tod von Peter II. von Aragon. Wilde Flucht der okzitanischen und aragonischen Truppen.

Fünfzehntausend Tote bleiben zurück.

1215

Viertes Laterankonzil. Raymond VI. von Toulouse wird seiner Ländereien beraubt. Investitur Simon de Montforts.

Gründung des Ordens der Dominikaner. Besetzung von Toulouse. Montauban wird erobert.

1216

Beginn der Befreiungskriege und Rückeroberung einiger verlorener Gebiete durch Raymond VI. von Toulouse und Sohn.

Innozenz III. stirbt. Honorius III. wird Papst.

1218

Aufstand von Toulouse. Rückkehr Raymonds VI. und seines Sohnes Raymonds VII. Wilde Kämpfe um die Stadt. Simon de Montfort fällt. Sein Sohn Amaury wird sein Nachfolger.

Raymond VI. nimmt Toulouse wieder in Besitz. Die katharische Kirche bekommt wieder Aufschwung.

1219

Gründung von Cordes-sur-Ciel.

Kreuzzug des französischen Prinzen Ludwig VIII. auf Veranlassung von Honorius III. und König Philipp-August. Massaker von Marmande.

1221

Tod des Dominikus in Bologne. Er wird 1234 heiliggesprochen.

1222

Tod von Raymond VI. von Toulouse. Sein Sohn, Raymond VII., wird Nachfolger.

1223

Ludwig VIII. wird König von Frankreich

1224

Der wenig erfolgreiche Sohn von Simon de Montfort, Amaury, kehrt mit seiner Armee nach Nordfrankreich zurück. Toulouse wird „offiziell“ König Ludwig VIII. zum Geschenk gemacht.

1225

Öffentliche Demonstration der Katharer in Montpellier. Großes Katharerkonzil in Pieusse (nahe Carcassone). Gründung einer neuen Diözese im Razés. Einführung eines weiteren katharischen Bischofs.

1226

Kreuzzug des Königs Ludwig VIII. Unterwerfung zahlreicher Vasallen. Okzitanien versinkt ein weiteres Mal in Schutt und Asche. Ludwig stirbt.

Blanche von Kastilien übernimmt für zehn Jahre die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn, Ludwig IX., den späteren Ludwig den Heiligen.

1229

Kapitulation von Raymond VII. von Toulouse. Vertrag von Meaux-Paris. Der Vertrag von Meaux (Paris), am 12.4.1229 (Gründonnerstag), der die unseligen Albigenserkreuzzüge offiziell beendete und Raymond VII., den jungen Grafen von Toulouse, zur Treue gegenüber König und Kirche zwang, hatte zwar den offenen Widerstand im Süden gebrochen, aber die Zahl der heimlichen Ketzer nur unwesentlich dezimiert. Das brutale Vorgehen Roms und der Krone in den vergangenen zwanzig Jahren hatte viele Menschen im Süden Frankreichs erst recht in die Hände der Katharer getrieben.

Der Heilige Stuhl suchte nun neue Mittel und Wege, die „ketzerische Pest“ endgültig auszurotten.

Der Besitz des Alten und Neuen Testamentes wird Laien ausdrücklich verboten und die Übersetzung in die jeweilige Volkssprache unter Strafe untersagt.

Konzil in Toulouse: Ende der Kreuzzüge, dafür geplant: Einsetzung der Inquisition.

1231

Endgültige Einsetzung der Inquisition. Maßgeblich dafür ist der Orden der Dominikaner. Anführer: Arnaud-Guilhem aus Montpellier. Aufspüren der parfaits, Scheiterhaufen.

Rom (nunmehr Gregor IX.) installiert im Jahr 1231 die Heilige Inquisition. Sie soll die Flamme der Ketzerei endgültig austreten, das Übel der Häresie mit der Wurzel ausreißen und nach den Leibern die Seelen unterjochen. Der Orden der Dominikaner (und in geringerem Ausmaß auch der der Franziskaner) ist maßgeblich an dieser neuen Art der Verfolgung beteiligt – einzig dem Papst verantwortlich.

Verstorbene mutmaßliche Ketzer werden wieder ausgegraben, ihre Gebeine verbrannt, ihr Vermögen konfisziert. Schnell sind die „domini canes“ – die Hunde des Herrn, wie sie das Volk nennt, verhaßt.

1235

Aufruhr in Toulouse. Belagerung des Konvents der Dominikaner. Ausweisung aller Inquisitoren.

1236

Rückkehr der Inquisitoren nach Toulouse.

1240

Eine Revolte des letzten Grafen Trencavel mit Rückeroberung verlorener Gebiete, scheitert vor Carcassone. Im Sommer 1240 organisieren sog. „Faidits“, d.h. ehemalige Burgherren, in aller Heimlichkeit eine Armee. Unterstützt von Aragon mit dem besten Kriegsgerät, das es in jener Zeit gab. Anführer ist Raymond Trencavel (Carcassonne), der als vierjähriger Knabe nach der Ermordung seines Vaters vom Grafen von Foix in Obhut genommen worden war. Die Faidits wollen sich „ihr Erbe“ wieder zurückerobern. Doch der Seneschall von Carcassonne hat längst Ludwig IX. informiert und so erwartet die „Entrechteten“ ein gewaltiges Heer. Die Ausrüstung des Aragoners geht verloren, die Faidits flüchten.

1241

Raymond VII. wird mit der Eroberung des Montségur beauftragt. Nach einiger Zeit bricht er die Belagerung „erfolglos“ ab.

1242

Blutbad an Inquisitoren in Avignonet.

Raymond VII. schließt Bündnis mit England gegen König Ludwig VIII.

1243/ 1244

Endgültige Belagerung des Montségur. 16. März 1244 Kapitulation. 205 parfaits und parfaites brennen am Fuße des Berges.

DER MONTSÉGUR – das größte Heiligtum der Katharer:

Bereits im Jahr 1212 waren die ersten verfolgten Katharerparfaits auf den Montségur (Pyrenäen, 1200m, gewaltige Steilhänge) geflüchtet, dessen Ausbau Esclarmonde von Foix, die Schwester des Grafen – und selbst parfaite - veranlaßte.

Am Nordwesthang der Burg war auf Terrassen ein Dorf für Gläubige errichtet worden.

1232 hatte sich auch der berühmte Katharerbischof Guihabert de Castres hierher zurückgezogen, der für seine Predigten im ganzen Land bekannt war.

Eine erste Belagerung im Jahr 1241, zu der man Graf Raymond von Toulouse gezwungen hatte, war erfolglos verlaufen. Daraufhin hatte Raymond einen sog. „Geheimbund gegen den König von Frankreich“ gegründet, dem angeblich auch Kaiser Friedrich II. angehört haben soll. Rom und der König von Frankreich beschlossen daraufhin (1243) die Zerstörung des größten katharischen Heiligtums, der Bergfeste Montségur.

Zehn Monate erfolglose Belagerung, eine Abordnung aus dem Baskenland soll die Wende herbeiführen; endlich können Wurfmaschinen in großer Höhe angebracht werden, die Festung wird unablässig bombardiert. Die Lage auf dem „Drachenkopf“ – wie ihn Rom nennt – wird kritisch. Der Wein gefriert in den Fässern. Ratten sind in die Zisternen eingedrungen. Die Katharer wittern Verrat. Am 2. März 1244 kapitulieren sie, bitten aber um einen zweiwöchigen Waffenstillstand, um ein Abschiedsfest zu feiern. Dies wird ihnen bewilligt.

„… Nach dem Fest – in dunkler Nacht – lassen sich vier parfaits an Seilen hinab in die Tiefe. Sie tun das an einer Stelle, die vom Tal aus nicht bewacht wird, weil die fünfhundert Fuß hohe Steilwand eine Bewachung unnötig macht. Die tapferen Männer haben das wirkliche Geheimnis der Ketzer bei sich: die Bücher und Schriften. Dieser Schatz konnte nicht früher in Sicherheit gebracht werden, weil er bis zum Schluß gebraucht wurde. Mögen die Mutigen ihren Gral weitergetragen haben in eine Welt, in der der Lorbeer eines Tages wieder erblühen wird!“ (aus „Die Ketzerin vom Montségur“ von H.L. Köppel)

Was die vier Männer seinerzeit tatsächlich in Sicherheit brachten, weiß niemand.

Am Ende der zwei Wochen, am 16. März 1244, weigern sich ohne Ausnahme alle Katharer, die sich noch auf der Burg befinden, ihrem Glauben abzuschwören. Viele Soldaten haben sich auf ihre Seite gestellt, sich weihen lassen und nun reihen sich ein in die Schar, die nacheinander den schmalen, abschüssigen Pfad hinuntersteigt – wo der Scheiterhaufen auf sie wartet. Zweihunderfünf Menschen werden an diesem Tag von der Feuersglut der Inquisition verzehrt. An der Stelle wo der Scheiterhaufen stand, am Fuße des Berges, steht heute eine Gedenkstele, auf der man stets frische Blumen vorfindet.