3.Tag Mirepoix

Montag 02.07.2007 23.45 Uhr

Vormittags: Minerve, mit 3 ganz großen Besonderheiten, nämlich die größten natürlichen Höhlenbrücken, der älteste Altar (Marmor ca. 300 Jahre n. Chr. auch über die eingeritzten Schriftzüge eindeutig datierbar) in der fast so alten Romanischen Kirche Saint-Ètienne. Sie wurde bereits 456 geweiht, und die 1. Massenverbrennung von Ketzern.


Mittags: Picknick und großer Zeitsprung mit Besichtigung der Dolmen bei Siran auf einem künstlichen Erdhügel, Gräber sind datiert auf ca. 2700 v. Chr..

Nachmittags: Carcassonne mit imposanter Burg, wenngleich historistisch wieder aufgebaut nicht mehr im ursprünglichen Zustand jetzt der Touristenmagnet mit Kirmesatmosphäre.


Abends ist der Geschichten Erzähler Fabien bei uns und ohne große Umschweife (Halt, da war doch noch an unserem Tisch die leidenschaftliche Debatte über das Rauchen) erzählt er alte Geschichten, wie sie zur Zeit der Katharer und Troubadoure erzählt wurden:
Die Wanderer – der Mittagsschlaf – die Eidechse, die Schöpfung – der Gott – der Teufel, der Petrus – der Jesus – die Frauen und der Teufel (Bulgarien), der Troubadour – die Frau – das Herz, der Baum – die Früchte – der tapfere Krieger und der Alte (Afrika), der Wanderer – die 3 Brüder – die Intelligenz

Zeittabelle Katharer

aus Helene Luise Köppel:

http://www.mittelalter-roman.de/index.php?option=com_content&task=view&id=41&Itemid=43

1202


Innozenz III. stattet seinen Legaten Pierre de Castelnau, Zisterziensermönch aus Fontfroide, mit einer Vollmacht zur Aufstellung eines neuen Kreuzzuges in den Süden aus. Allein schon diese Drohung hatte zur Folge, daß sich die Konsuln von Toulouse wieder zum katholischen Glauben bekannten. Dennoch weigerten sie sich hartnäckig und sehr zum Zorn Castelnaus, irgend etwas gegen die katharische Kirche zu unternehmen. Peter II. von Aragon, der Verbündete und Lehnsherr der Grafen von Toulouse, zeigte sich bei einem Besuch in Carcassonne sogar höchst interessiert an den Glaubensinhalten der Katharer.

1204

schließt Graf Raymond von Toulouse einen Beistandspakt mit Peter II. von Aragon. Daraufhin bestellte Castelnau Graf Raymond von Toulouse zu einer Unterredung nach Saint-Gilles-du-Gard, wobei er ihn exkommunizierte.

1208

Mord am Legaten des Papstes, Pierre de Castelnau, in der Nähe von Saint-Gilles-du-Gard. Papst zieht Raymond VI., den Grafen von Toulouse, zur Verantwortung und forciert den Kreuzzug.

1209

Beginn des ersten Albigenserzuges. Massaker von Beziers und Carcassone. Tod des Grafen Raymond-Roger Trencavel. Simon de Montfort wird Graf von Carcassone.

Simon de Montfort, dieser mutige und katholische Heerführer, wie ihn Innozenz III. bezeichnete, überzog mit einer unglaublichen Brutalität das schöne Land. Montfort, ein Sohn des Grafen von Montfort d`Amaury und einer Gräfin von Leicester – gilt noch heute als bestgehaßter Mann im Süden Frankreichs. Religiös bis zur Bigotterie, sah er sich Innozenz zu äußerster Dankbarkeit verpflichtet. Unbarmherzig verfolgte er Katharer, Waldenser und auch Juden und zog mit seinen Getreuen (ungefähr 4500 Mann, unter ihnen auch Deutsche, denen er den doppelten Sold zahlen mußte) von Ort zu Ort, um die Ketzer auszuräuchern und dann zu verbrennen. Nicht selten schnitt er ihnen vorher Nasen, Ohren, Hände Füße, Brüste und Daumen ab.

Das Massaker von Beziers


Ein gewaltiges Heer rollt in den Süden und erreicht am 21. Juli 1209 die Stadt Beziers, eine wohlhabende Kommune, in deren Mauern Katholiken, Katharer und Juden friedlich nebeneinander wohnen. An seinen unabhängigen Geist gewohnt, verweigert der Senat die Auslieferung der Katharer. „Lieber lassen wir uns im Meer ertränken … Rechtgläubig oder nicht, wir sind alle Christen und Brüder und werden gemeinsam sterben!“

Die Widerständler verbarrikadieren sich. Ein kleiner Fehler jedoch kommt die Biterrois – wie die Bewohner Beziers genannt werden – teuer zu stehen: Einige Ritter öffnen am Nachmittag des 22. Juli leichtsinnigerweise ein Stadttor, um einen Ausfall zu wagen: Das Kreuzfahrerheer drängt hinein, und das Unglück nimmt seinen Lauf.


Zahllose Bürger flüchten in die Kirche „De la Madeleine“, und obwohl sich eine Handvoll Priester dem Kreuzfahrermob in den Weg stellen, gelingt es ihnen bis auf die Altarstufen vorzudringen. Sie verbarrikadieren die Türen und setzen die Kirche in Brand. Fast siebentausend verbrennen. Draußen färbt sich indessen der Boden rot vom Blut der Unschuldigen. Auf massive Vorhaltungen aus den eigenen Reihen antwortet der Heerführer und Hauptverantwortliche, Amaury, zynisch: „Caedite eos, novit enim Dominus qui sunt eius –Tötet sie alle, Gott wird die seinen schon erkennen!“

(Insgesamt wurden in Beziers zur „Rettung des rechten Glaubens“ 15 000 bis 30 000 Menschen getötet – die Zahlen gehen hier weit auseinander.)

1210/1211


Belagerung und Eroberung von Minerve. 140 parfaits brennen.

Eroberung von Termes und Puivert.

Verstümmelung der Einwohner von Bram. Erfolglose Belagerung von Toulouse. Verhängung des Interdikts. Ebenso erfolglos die Belagerung von Foix. Eroberung von Lavaur: größte Hinrichtung okzitanischer Ritter. Schlacht von Castelnaudary. Ermordung neuer Kreuzfahrer durch den Grafen von Foix. Scheiterhaufen von Les Cassès: 94 Ketzer brennen.