2.Tag Azillanet bei Minerve

Sonntag 01.07.2007 23.00 Uhr


Seit der ersten Eintragung ist es nach meinem Gefühl schon eine Ewigkeit her. Letzten Abend haben wir uns erst kennengelernt, und doch sind mir alle schon so vertraut, und ich glaube auch, uns gegenseitig. Hanna und ich sind die „Singles“, Stefani und Heike die Architektinnen, Bente und Vibeke die Däninnen und das Ehepaar Elfiede und Bernd. Mit Conny sind wir 9 und mit 2 Autos kreuz und quer in der Languedoc, dem Katharer Land unterwegs. Ich fühle mich recht wohl in meiner Haut, bin froh, dass „Neuland zu betreten“, die angemessene Haltung ist. Und ich fühle mich wohl hier in unserer kleinen Gruppe. Schnell will ich noch ein paar Stichworte festhalten:

Schlüsselwart, Teufelsbrücke, verwelkendes Béziers, Ente, ja und nicht zu vergessen Gastronomie-Festival, Abendstimmung in St.-Jean ... ich werde die damit verbundenen Erfahrungen dann später vielleicht in meinem Tagebuch wieder aufnehmen.

Eigentlich sollte ich jetzt, um 23.30 Uhr noch nicht aufhören, die vielen Eindrücke nieder zuschreiben, doch ich bin sehr müde. Nach dem Gewitter am Abend hat es jetzt noch einmal angefangen zu regnen. Die Bebauung hier im Ort ist typisch, das heißt, es ist eng, das Wasser läuft von den vielen kleinen Dächern in die Innenhöfe. Es plätschert und während ich schreibe wird es aber immer leiser. Wir sind in einem ehemaligen Kloster und offenbar gibt es noch die alte Klosterglocke, die halbstündlich die Zeit verkündet, dabei bin ich sicher, dass mein Schlaf davon nicht beeinträchtigt werden wird...




Zeittabelle Katharer

aus Helene Luise Köppel:

http://www.mittelalter-roman.de/index.php?option=com_content&task=view&id=41&Itemid=43

1022

Erster Scheiterhaufen der Geschichte: Zwölf Domherren brennen in Orleans.

1025

Weitere Scheiterhaufen in Turin, Toulouse und in Aquitanien.

1119

Papst Calixtus II. klagt in Toulouse die Ketzer an und exkommuniziert sie.

Die Katharerbewegung hatte sowohl in Südfrankreich, als auch in Italien, im Rheinland und in Flandern einen solchen Zulauf (es befanden sich auch viele Adlige und zahlreiche Mönche und Kleriker unter ihren Anhängern), daß bereits im Jahr 1119 Papst Calixtus II. in Toulouse die Ketzer im Land anklagte und exkommunizierte. Doch die Katharer ignorierten die Verurteilung – sie erkannten Rom nicht als Autorität an - und viele Menschen ließen sich nicht aufhalten zu konvertieren.

Zu diesem frühen Zeitpunkt der Auseinandersetzungen geschah den Ketzern außer der Exkommunikation jedoch kein Unrecht. Es war die Zeit des Redens, des Anklagens, aber noch nicht die des Handelns und der Verfolgung.

1135

Scheiterhaufen in Liége. Erste Erwähnung katharischer Gemeinschaften mit einer bischöflichen Hierarchie.

1145

Missionszug Bernhard v. Clairvaux` in das Gebiet von Toulouse und Albi. Bernhard verflucht den Ort Verfeil. Der Missionszug scheitert.

1157

Konzil in Reims gegen die Häresie.

1163

Scheiterhaufen in Köln.

1165

Bedeutende Konferenz der Katharer und Katholiken in Lombers, in der Nähe von Albi.

Der Benediktiner Ekbert (+ 1185) verfaßt dreizehn „Sermones adversus Catharorum Errores“, da viele katholische Priester gar nicht wußten, was es mit der Ketzerei auf sich hatte, und wie sich der Katharer vom Katholiken unterschied. Erstmals werden die Lehren der Katharer und der Katholiken gegenüberstellte.

1167

Zwei Jahre später (1167) spitzte sich die Angelegenheit erneut zu: Katharerkonzil in St. Felix-de-Caraman, im Lauragais. Die Katharer legten auf ihrem Konzil den „Grundstein ihres Wirkens als Kirche“ fest und schlugen sich auf die radikal-dualistische Seite ihrer Bewegung, was sich unter anderem auch in der Ablehnung des Eides, Verurteilung der Todesstrafe, Verwerfung des Fegfeuers, der Ablässe, Reliquien und Heiligenbilder niederschlug. Ordination von vier katharischen Bischöfen unter Anwesenheit von Bischof Niketas aus Bulgarien. Ausweitung der katharischen Kirche in Frankreich. Erstmals wurden sogenannte filii mayor und filii minor eingesetzt, Vertreter der jeweiligen Bischöfe.

Zu diesem Konzil, bei dem auch die Abgrenzung der katharischen Kirchenprovinzen festgelegt wurde, war kein Geringerer als Bischof Niketas von Konstantinopel angereist, sowie alle katharischen Bischöfe aus Nordfrankreich und der Lombardei. Niketas gab später Anlaß zu Spekulationen, weil er sich angeblich als katharischer „Papst“ bezeichnet hätte. Es war jedoch nur der Name „Pope“, also Priester, den er sich zugelegt hatte.

Die Katharer, die niemals daran gedacht hatten, ihren Glauben gewaltsam auszubreiten, hatten nun eine eigene, unabhängige Kirche gegründet. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Provokation im ganzen Land.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war die Katharische Kirche im Süden Frankreichs bereits so fest etabliert, daß sie kurz davor stand, die Katholische Kirche in dieser Region zu entmachten. Papst Innozenz III. war entsetzt und schrieb: „... sie haben den größten Teil der Bevölkerung erfaßt!“ Und es war sicherlich keine Übertreibung, als Caesarius Heisterbacensis (1851) über sie sagte: „So stark wurde die Ketzerei der Albigenser, daß sie in kurzer Zeit an die tausend Städte ansteckte, und wenn sie nicht mit dem Schwert der Gläubigen eingedämmt worden wäre, glaube ich, sie hätte ganz Europa verdorben.“

Heute schätzt man, daß sich etwa ½ Million Gläubige zu den Katharern zählten. Der katholischen Kirche liefen also die Schäflein in Scharen davon.

1181

Papst Alexander III. ruft zum ersten Kreuzzug auf, unter der Leitung von Heinrich von Clairvaux. Der Kreuzzug erweist sich als Fehlschlag.

1198

Neuer Papst in Rom: Innozenz III. Er klagt die Ketzer an.