Mein Tagebuch

1.Tag St.-Jean-de-Buèges

Samstag 30.06.2007 16.00 Uhr

Die Anreise mit dem Nachtzug verlief reibungslos, bin also im Sonnenland angekommen. Es ist sonnig warm, mediterran, angenehm, selbst im Zugabteil bereits zu spüren. Der Zug rollt gemächlich durch die anmutige Landschaft, fast alle Reisenden in diesem Zug nach Narbonne schlafen so früh am Morgen noch. Der Schaffner ist liebenswürdig und ich staune, seine Frage beim Einchecken am Abend, ob ich Kaffee oder Tee zum Frühstück wünsche, hatte ihren Sinn. Er weckt mich und die Mitreisende im Abteil und versorgt uns mit heißem Kaffee und einem frischen Baguettebrötchen.


Am frühen Morgen, als ich einsam und absichtslos durch die Gassen von Avignon schlenderte, erlebe ich die erste Einstimmung auf unser Thema, denn ich sehe mich konfrontiert mit Gebäuden und Symbolen, die messerscharf ins Blau des Himmels schneiden und einen pechschwarzen Schatten auf die Altstadt von Avignon werfen. Sie wollten mir durch ihre Erscheinung etwas sagen, was verstand ich aber noch nicht...

Mittags hieß mich Conny, die uns die nächsten Tage durch den Bildungsurlaub führen wird, herzlich willkommen. Wir hatten uns schon ein paar eMails geschrieben und die dabei entstandene Vertrautheit umfängt uns gleich wieder. Abends werden sich dann alle TeilnehmerInnen treffen und mit einer Vorstellungsrunde den Bildungsurlaub offiziell beginnen.


Ich sitze unter dem Schattendach auf der Terrasse, zwischen Mauern, Dächern, Häusern des Dorfes, das ich erst kurz bei gesehen habe, und auf mich zunächst mal wirkt wie eine Filmkulisse. Es überwiegen weiche, helle braun beige und ocker Farben der Natursteine, aus denen die Häuser ineinander geschachtelt, aufsteigend am Hang, schließlich zu einer Burg zusammenstehend, errichtet sind. Kein Haus ist isoliert, jedes ist mit ein oder mehreren Wänden oder Dachteilen mit einem Nachbarhaus verbunden.


Meine Anwesenheit stört das Hausrotschwanzpaar erheblich, das unter dem Dach eigentlich in einer für Schwalben gedachten Nestmulde nistet und seine Jungen mit Futter versorgen möchte. Immer wieder nehmen sie aus ihrer nervös knicksenden Wartehaltung Anlauf und versuchen ihren ganzen Mut zusammennehmend, ihr Nest aufzusuchen. Warum lassen sie sich nur so stören, bin doch keine Katze. Ich hoffe sie finden endlich zum Nest, wenn ich sie nicht beobachte, und meine Aufmerksamkeit sie verschont.


Meine ersten Gespräche mit Conny und ihrer Freundin, die mich von der Bushaltestelle in St.-Martin abgeholt hat, drehen sich auch um die Frage, was mich an den Katharern interessiert? Und ich merke, wie ich in „Erklärungsnot“ komme, weil ich von den Katharern nun wirklich kaum eine Ahnung habe. Zwar kann ich ja auf den Roman verweisen, den ich mal zusammen mit Mitja vor einigen Jahren gelesen hatte (Die Raben von Carcassonne von E.W. Heine), und der in der Katharerzeit angelegt ist. Von der Historie weiß ich trotzdem nichts.


Und dann sind da noch die vielen Verknüpfungen zu den sich mehr oder weniger zufällig ergebenden Alltagsumständen. Da war die Ablehnung meines Coaching-Seminars im Frühjahr, die noch immer nicht abgeschlossene Standortfindung nach der Verwaltungsreform in der neuen Verwaltung des Landrats und in letzter Zeit auch noch die durch drohenden Büroumzug beeinträchtigte Stimmung, schließlich auch die Beschäftigung in der Männergruppe mit dem Männerbild und dem Mannsein, aber auch die Träume, das Gefühl oder Bedürfnis den weiblichen Teil betreffend, ihn zu sehen, zu spüren, zu leben.


Und nicht zuletzt spielt ja auch mein Wissen und meine Erfahrung mit, dass Bildung, Fortbildung, Entwicklung für mich mit Grenzerfahrungen, „Grenzbegehungen“ und Betreten anderer Räume zu tun hat. All diese Aspekte zeigen mir, dass es eine thematische, inhaltliche, geistige und materielle Verbindung gibt – (es ist ja auch diese bestimmte auch von Conny in der Ausschreibung zitierte Feststellung von Lévi-Strauss, die mich tief berührt, sich in mir festgesetzt hat und beschäftigt wie ein Koan) wenn schon das Abendland seine Chance verlor ..., dann kann ich sie doch wo möglich ja noch finden und wahrnehmen.

Katharer

(aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)

Der Begriff Katharer (die „Reinen“ – von griechisch: καθαρός / katharós = rein) bezeichnet eine Glaubensbewegung vom 11. Jahrhundert bis 14. Jahrhundert, vornehmlich im Süden Frankreichs, aber auch in Italien, Spanien und Deutschland. Verbreitet ist auch die Bezeichnung Albigenser (gelegentlich auch: Albingenser) nach der südfranzösischen Stadt Albi, die eine Hochburg der Katharer war. Die Kölner haben diese Bezeichnung für diese Gemeinschaft eingeführt. Sie selbst nennen sich veri christiani, die wahren Christen, oder boni homines, gute Menschen. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Patarener und Bonhommes, Gutmütige.

Die Katharer wurden durch mehrere Kreuzzüge und die Inquisition als Häretiker verfolgt und vernichtet.

Aus dem Wort Katharer wurde später auch die abwertende Bezeichnung Ketzer für alle Abweichler von einem herrschenden Glauben abgeleitet. Die katholische Kirche verwendete in ihrer Propaganda auch die volksetymologische Ableitung Kätzer, von lat. Cattari, abgeleitet von lat. Cattus, die Katze. Danach sollten die Katharer die Katze als Tier Satans auf das Hinterteil küssen.

Verbreitung

Die katharische Lehre war eine der größten religiösen Bewegungen des Mittelalters und verbreitete sich seit dem 11. Jahrhundert schnell über Oberitalien und Okzitanien (Südfrankreich), es gab allerdings auch katharische Gruppen in anderen Teilen Italiens, in Sizilien, im Rheinland, in Spanien, England und in einigen skandinavischen Ländern. Vielfach wird angenommen, dass die Wurzeln der katharischen Lehre weit zurückreichen; zu den möglichen Vorläufern zählt man dabei die Bogomilen und teils sogar die Mazdakiten.

Durch mehrere, erstmalig durchgeführte Kreuzzüge und eine brutale Inquisition vernichtete die römische Kirche zwischen 1209 und 1320 die katharische Glaubensbewegung, ihre Mitglieder, ihre Kultur und ihr Schrifttum weitgehend.

Lehre

Bezüglich der Lehre der Katharer ist wenig erwiesen und viel behauptet worden – sowohl von ihren Gegnern als auch von späteren Verteidigern. Sicher ist, dass es innerhalb der Katharer insbesondere in der späteren Zeit viele Splittergruppen gab, so dass man nicht von einer einheitlichen Lehre sprechen kann.

Nachgewiesen wurde der Einfluss der balkanischen Bogomilen. Die Interrogatio Johannis, eine apokryphe Schrift bogomilischer Herkunft, wurde durch den katharischen Bischof Nazarius aus Bulgarien nach Südfrankreich gebracht. Ein wichtiges Element der katharischen Theologie ist ein Dualismus, der die Welt als böse, Gott und den Himmel als gut ansieht. Das Leben des Katharers ist darauf ausgelegt, das Gute des Menschen (die Seele) aus der bösen Welt in den Himmel zu bringen.

Die Katharer wurden und werden gerne in die Traditionen des Manichäismus und der Gnosis gestellt, aber dafür gibt es außer den Inquisitionsprotokollen keinen eindeutigen Beleg. Ebenso ist historisch keine Beziehung zwischen Katharern und Templern oder Katharern und Gral erwiesen.

Die Katharer sahen sich selbst als die wahre christliche Kirche; Jesus Christus war die zentrale Person ihres Glaubens. Sie unterschieden sich von der damaligen christlichen Kirche durch die Ablehnung des Alten Testaments der Bibel, in dem sie den Schöpfergott einer bösen Welt beschrieben sahen. Im Neuen Testament hatte das Evangelium des Johannes eine herausragende Rolle. In den Predigten kamen viele Bibelzitate vor, doch die Auslegung war oft sehr kreativ, was sich auch bei ihren Bibelübersetzungen feststellen lässt.